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Schluss mit Pausenplatz-Hockey – Biel feuert den Trainer

Head Coach Martin Filander (EHCB) gibt Anweisungen bei dem Spiel der Eishockey National League zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel-Bienne am Dienstag, 23. Dezember 2025 in der Swisslife Arena in Z ...
Martin Filander am verzagen.Bild: keystone
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Schluss mit Pausenplatz-Hockey – Biel feuert den Trainer

Der EHC Biel hat Trainer Martin Filander entlassen. Es ist mehr als eine sportliche Korrektur. Es ist das Ende eines pädagogischen Experimentes.
19.01.2026, 17:5319.01.2026, 17:53

Die Bieler haben seit dem Wiederaufstieg von 2008 eine Rudolf-Steiner-Schule des Hockeys aufgebaut: Viel Raum zur Selbstentfaltung, wenig Hierarchie, Vertrauen statt Autorität. Das in der Art einmalige und so sympathische Experiment zinste mit dem Final von 2023 – und ist nun mangels geeignetem sportlichen Führungspersonal und Talent gescheitert.

Diese Kultur war ein Erfolgsmodell. Kreiert vom flamboyanten und doch kumpelhaften Kevin Schläpfer, dem die familiäre Atmosphäre, Nähe und Loyalität wichtiger waren als formale Machtausübung. Dabei war der bedingungslose Rückhalt durch Manager Daniel Villard entscheidend.

Der finnische Trainer Antti Törmänen konnte sich als Nachfolger von Schläpfer mit seiner natürlichen Autorität einen lockeren Führungsstil leisten und führte das Bieler Modell 2023 zur Vollendung. Kein Lautsprecher. Seine Autorität war so selbstverständlich, dass sie kaum bemerkt worden ist. Die Spieler folgten ihm nicht, weil sie mussten. Sondern weil sie wollten. Nun sehen wir im Rückblick: Der Final von 2023 war der Abschluss dieser antiautoritären «Belle Epoque».

Antti Törmänen hat nach seinem gesundheitlich bedingten Rücktritt ein Vakuum hinterlassen, das keiner seiner Nachfolger aufzufüllen vermochte. Biels antiautoritäre Hockeykultur ist nicht reproduzierbar, sie kann nicht weitergereicht werden wie Trainingspläne und Spielkonzepte. Sie muss gelebt werden.

Der eigenwillige Schmirgelpapierpsychologe Petri Matikainen scheiterte ebenso wie nun der sture «Schablonist» Martin Filander. Beide waren nicht dazu in der Lage, ihre Ideen aufs Team zu übertragen. Sie sind an Spielern gescheitert, die jahrelang in einer wohltemperierten Komfortzone sozialisiert worden sind. Sie können im Befehlston ohne natürliche Autorität nicht geführt werden. Mit der vorzeitigen Verlängerung im Sommer bis 2027 wollte Sportchef Martin Steinegger die Position seines wankenden Coaches stärken und ein Signal setzen. Dabei hat er eines nicht bedacht: Die Entscheidung über den Trainer fällt in einem Hockeyunternehmen nicht im Verwaltungsrat oder Sportchef-Büro. Sie fällt immer – immer! – in der Kabine. Rebellenführer Robin Grossmann (38) hat sich durchgesetzt. Weil Biels sonst tüchtiger Sportchef das Opfer einer fatalen Fehleinschätzung geworden ist: Mit der vorzeitigen Verlängerung um ein Jahr vermochte er Robin Grossmann, den «Klassensprecher der Unzufriedenen» nicht zu besänftigen. Im Gegenteil: Er stärkte das Selbstvertrauen und die Aufmüpfigkeit des Veteranen.

Eigentlich ist es schade, dass Martin Filander gehen muss. Der schleichende Zerfall seiner Autorität hat uns spektakuläres «Pausenplatz-Hockey» ohne taktische Struktur aber mit allerhöchstem Unterhaltungswert beschert: Kreativ, vorwärts, schnell und leidenschaftlich. Aber eben: Die Resultate stimmen nicht und die Wahrheit steht immer oben auf der Resultatanzeige.

Nun steht Martin Steinegger, seit biblischen Zeiten (seit 2012) im Amt vor der anspruchsvollsten Trainersuche seiner Laufbahn. Er muss einen Trainer finden, der Lehrer und Leitfigur ist. Einen, der Regeln aufstellt, aber mit Rücksicht auf die familiäre, antiautoritäre Kultur und der die Balance zwischen Freiraum und Führung findet.

Der charismatische Sportchef ist nicht frei von Schuld am Scheitern der Erben Antti Törmänens: Das Glück hat ihn bei der Rekrutierung des ausländischen Personals verlassen. Bei einem Team im Umbruch wie Biel nach dem Final von 2023, ist die erstklassige Besetzung der sechs Ausländerpositionen von zentraler Bedeutung. Wenn einer dieser Ausländer bereits im Laufe der Saison wegen miserabler Leistung ersetzt werden muss (Oskari Laaksonen) und sein Ersatzmann noch miserabler ist (Niko Huuhtanen) – dann steht der Sportchef in der Verantwortung. Biel hat seit zwei Jahren auch durch Versagen im Transfergeschäft ganz einfach zu wenig Talent, um antiautoritäres Pausenplatz Hockey zu spielen.

Für den Rest der Saison sollte kein Geld für einen neuen Trainer ausgeben werden: Martin Steinegger hat schon mehrmals bewiesen, dass er mit seiner Erfahrung, seinem Charisma und seiner natürlichen Autorität wenigstens temporär die Schweizer Antwort auf Antti Törmänen sein kann. Nebenbei hat er genug Zeit, sich um die Rekrutierung eines neuen Trainers für die neue Saison zu kümmern.

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Die beliebtesten Kommentare
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Steve21
19.01.2026 20:00registriert Januar 2020
Biel gehört seit Jahren von den Möglichkeiten her irgendwo zwischen Platz 6 und 12. Finale und Halbfinals waren die Ausreisser gegen oben. Weil ja aber auch die anderen 13 Teams nicht einfach nur zum Plausch spielen, sind solche Ausreisser eher selten und die Realität ist Kampf um diePlay-inns … egal welcher Trainer
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